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01.11.2015, 17:06 Uhr
Sorgen der Medizintechnik
"Zahlt die Krankenkasse - oder zahlt sie nicht?" Darum ging es häufig in dem Gespräch, das die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, mit Hechinger Medizintechnikern führte. Teilnehmer des kleinen Hechinger Medizintechnik-Gipfels (von links); CDU-Stadtverbandschef Hermann Schwendemann, CDU-Fraktionschef Andreas Ermantraut, Bürgermeisterin Dorothea Bachmann, Lars Sunnanväder, Geschäftsführer der LS Medcap GmbH, die Parlamentarische Staatsekretärin Annette Widmann-Mauz, Jotec-Geschäftsführer Thomas Bogenschütz, Thomas Radtke, Kaufmännischer Leiter der LS Medcap, und Hans Marquart, Wirtschaftsförderer der Stadt Hechingen. Privatfoto
Den Fragen und Problemen von Vertretern der Medizintechnik-Firmengruppe von Lars Sunnanväder stellte sich die Gesundheitsexpertin während eines Zusammentreffens in Hechingen. Mit dabei waren auch Bürgermeisterin Dorothea Bachmann, jüngst zur Vorsitzenden der Medical Valley Hechingen Akademie gewählt, der städtische Wirtschaftsförderer Hans Marquart, CDU-Stadtverbandsvorsitzender Hermann Schwendemann und CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, Andreas Ermantraut. Thema waren die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Kostenübernahme von neuen medizintechnischen Produkten beziehungsweise diesen zugrunde liegenden neuartigen wissenschaftlichen Behandlungskonzepten durch die Krankenkassen. Dazu wartet das neue "GKV-Versorgungsstärkungsgesetz" mit Änderungen auf. Hier sehen sich besonders die kleineren und mittleren Betriebe mit besonderen Problemen konfrontiert. Thomas Radtke, kaufmännischer Leiter der Firma LS Medcap GmbH, brachte diese aus Sicht der Branche zu Gehör. Die LS Medcap GmbH - Geschäftsführer ist Lars Sunnanväder - ist eine Investmentgesellschaft, die kleineren Medizintechnik-Firmen und -Startups - insgesamt sind es neun in Hechingen und Schweden - Finanzierungen und weitere Dienstleistungen anbietet. Durch den neu in das Sozialbuch V aufgenommenen Paragraphen 137h wird künftig geregelt, unter welchen Voraussetzungen Innovationen im Hochrisikobereich von den gesetzlichen Krankenversicherungen rückerstattet werden. Die Neuregelung hat wesentliche Bedeutung für die Markt-Einführung von medizintechnischen Innovationen, da in Zukunft unter bestimmten Umständen auch klinische Studien gefordert sind, die aufwändig und insbesondere für die kleineren Firmen schwer zu finanzieren sind. Annette Widmann-Mauz konnte einiges zur Aufklärung beitragen. Die Gesundheits-Staatssekretärin verwies vor allem auf die noch ausstehende Rechtsverordnung zur konkreten Durchführung des Paragraphen 137h. Radtke erhoffte sich davon mehr Planungssicherheit in Bezug auf die regulatorischen Notwendigkeiten bei der Zulassung. Im Gespräch zwischen Widmann-Mauz, Radtke, Sunnanväder und Jotec-Geschäftsführer Thomas Bogenschütz wurde deutlich, dass die Problematik längst eine internationale ist: Unterschiedliche Zulassungsvoraussetzungen in den USA und der EU, die Durchdringung der hiesigen Medizintechnikindustrie durch US-Firmen, die wiederum entsprechend finanzstark aufgestellt sind, bereiten den Hechinger Medizintechnikern Sorgen - zum Beispiel, wenn Innovationen dann in die USA abwandern. Widmann-Mauz betonte, wie wichtig neue Finanzierungskonzepte für hoch innovative Unternehmensprojekte, die Förderung von Forschung und Entwicklung im Mittelstand sowie kompetente, effiziente und dezentrale Zulassungs-, Zertifizierungs- und Marktüberwachungsstellen in Europa seien. Im Interesse der Patientensicherheit, die oberste Priorität haben müsse, sei das manchmal ein Spagat. Zum Abschluss lobte Annette Widmann-Mauz die Hechinger Medizintechnik und deren Zusammenschluss im Medical Valley Hechingen: "Sie haben es in Hechingen erkannt: Vernetzung spielt eine wichtige Rolle."